Fraktion AKTUELL
Scharfe Zwischentöne
Waldniel: Keine Begeisterung für das Äußere des geplanten Edeka-Markts
Waldnie) (hei).
Die erste Erregung ist verebbt. Nachdem Im Planungsausschuss in der letzten Woche die Wogen noch hoch geschlagen waren, hörte sich die Diskussion um die Gestaltung des Edeka-Marktes auf dem Gelände der ehemaligen Kraut-Fabrik am Dienstag schon viel gesitteter an. Waren vergangene Woche noch Worte wie „blutroter Schuhkarton" und „in Holland und Bayern geht das alles viel schöner" zu hören, bemühten sich die Politiker jetzt um wohlgesetzte Worte.
Architekt Norbert Jakobs machte deutlich, er sei durch die Krilik Mehr getroffen gewesen. „Wir wollten unauffällig ins Stadtbild Integrieren
-ja, genau das wollten wir doch auch", sagte er eingangs. Es ging sogar pathetisch: „In die Wunde dieser Stadt ein selbstbewusstes Gebäude hineinkonzeptionieren, das für alle eine Bereicherung ist." Sein Entwurf sei kein Schuhkarton, „aber geschachtelt in der Höhenentwicklung".
Und es müsse auch nicht rot sein, eierschalfarben oder blau kämen ebenso in Betracht. Projektentwickler Norbert Bienen zeigte dann aber doch schnell,
woher der Wind weht: „Jeder, der einen Lebensmittelmarkt baut, baut am liebsten den Schuhkarton, denn der rechnet sich", gab er unumwunden zu.
Dem Wunsch vieler Politiker, alles etwas historisierend zu gestalten, Giebel einzufügen, erteilte er eine klare Absage:
„Das gibt Ärger mit dem Denkmalschutz." Und es wäre wohl auch teurer.
Für Jürgen Heinen, Fraktionschef der Grünen, war die Argumentation einfach: „Das,was Sie daraus gemacht haben, ist das Maximale,
was man rausholen kann", lobte er den Architekten. „Aber es ändert nichts: Es ist am falschen Platz."
So erklärte sich auch später die Ablehnung der Grünen in der Abstimmung. Den ersten schärferen Ton brachte der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Dieter Heinrichs.
„An den neuralgischen Punkten haben sie die künstlerische Freiheit sehr ausgelebt", legte er den Finger in die Wunde, die da „Wand zur Neustraße" heißt. Sieben bis acht Meter hoch soll sie werden - und ohne Fenster oder sonstige Gestaltungselemente sein. Damit würden klaustrophobisch veranlagte Menschen nicht mehr durch diese Gasse gehen, prophezeite der FDP-Mann.
Architekt Jakobs schlug sofort zurück: Das jetzige Baurecht erlaube noch viel mehr Höhe, ob Heinrichs das lieber sei? „Und Altstädte haben nun mal enge Gassen", ergänzte Bienen. „Wir wollen auch keinen engen Markt, in dem die Hausfrau Platzangst kriegt, da braucht man eine gewisse Höhe", ergänzte Investor Ulrich Grünter.
Ein Kompromissvorschlag könnte nun sein, die wirklich riesig wirkende Wand zur Neustraße durch grafische Elemente so zu gestalten, dass sie weiter und leichter wirkt Mit Nachbesserungsbedarf in diesem Punkt wurde der Vorschlag ansonsten durchgewunken. Ablehnungen kamen, wie gesagt, von den Grünen, Enthaltungen von den Architekten Bernd Wetzels, CDU, und Rico Küpper, SPD.
