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Schwalmtal Dienstag, 04. Mai 2010

Scharfe Zwischentöne


Waldniel: Keine Begeisterung für das Äußere des geplanten Edeka-Markts

Waldnie) (hei).
Die erste Erregung ist verebbt. Nachdem Im Planungsausschuss in der letzten Woche die Wogen noch hoch geschlagen waren, hörte sich die Diskussion um die Ge­staltung des Edeka-Marktes auf dem Gelände der ehemaligen Kraut-Fabrik am Dienstag schon viel gesitteter an. Waren ver­gangene Woche noch Worte wie „blutroter Schuhkarton" und „in Holland und Bayern geht das alles viel schöner" zu hören, bemühten sich die Politiker jetzt um wohlgesetzte Worte.

Architekt Norbert Jakobs machte deutlich, er sei durch die Krilik Mehr getroffen ge­wesen. „Wir wollten unauffäl­lig ins Stadtbild Integrieren
-ja, genau das wollten wir doch auch", sagte er eingangs. Es ging sogar pathetisch: „In die Wunde dieser Stadt ein selbstbewusstes Ge­bäude hineinkonzeptionieren, das für alle eine Bereicherung ist." Sein Entwurf sei kein Schuhkarton, „aber geschach­telt in der Höhenentwick­lung".
Und es müsse auch nicht rot sein, eierschalfarben oder blau kämen ebenso in Betracht. Projektentwickler Norbert Bienen zeigte dann aber doch schnell,
woher der Wind weht: „Jeder, der einen Lebensmittelmarkt baut, baut am liebsten den Schuhkarton, denn der rechnet sich", gab er unumwunden zu.
Dem Wunsch vieler Politiker, alles etwas historisierend zu ge­stalten, Giebel einzufügen, er­teilte er eine klare Absage:
„Das gibt Ärger mit dem Denkmalschutz." Und es wä­re wohl auch teurer.
Für Jürgen Heinen, Frak­tionschef der Grünen, war die Argumentation einfach: „Das,was Sie daraus gemacht ha­ben, ist das Maximale,
was man rausholen kann", lobte er den Architekten. „Aber es ändert nichts: Es ist am fal­schen Platz."
So erklärte sich auch später die Ablehnung der Grünen in der Abstim­mung. Den ersten schärferen Ton brachte der FDP-Frak­tionsvorsitzende Hans-Dieter Heinrichs.
„An den neuralgischen Punkten haben sie die künst­lerische Freiheit sehr ausge­lebt", legte er den Finger in die Wunde, die da „Wand zur Neustraße" heißt. Sieben bis acht Meter hoch soll sie wer­den - und ohne Fenster oder sonstige Gestaltungselemente sein. Damit würden klaustrophobisch veranlagte Men­schen nicht mehr durch diese Gasse gehen, prophezeite der FDP-Mann.
Architekt Jakobs schlug sofort zurück: Das jetzige Bau­recht erlaube noch viel mehr Höhe, ob Heinrichs das lieber sei? „Und Altstädte haben nun mal enge Gassen", er­gänzte Bienen. „Wir wollen auch keinen engen Markt, in dem die Hausfrau Platzangst kriegt, da braucht man eine gewisse Höhe", ergänzte In­vestor Ulrich Grünter.
Ein Kompromissvorschlag könnte nun sein, die wirklich riesig wirkende Wand zur Neustraße durch grafische Elemente so zu gestalten, dass sie weiter und leichter wirkt Mit Nachbesserungsbedarf in diesem Punkt wurde der Vorschlag ansonsten durchge­wunken. Ablehnungen kamen, wie gesagt, von den Grünen, Enthaltungen von den Architekten Bernd Wetzels, CDU, und Rico Küpper, SPD.


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